1898 Zeichen zum SV Darmstadt

Zur Zeit werden überall Tabellen prognostiziert. Eines haben sie fast alle gemeinsam: Der SV Darmstadt 98 wird auf den 18. Platz getippt. Unter den Bundesliga-Zwergen der vergangenen Jahre (Fürth, Braunschweig, Paderborn) ist Darmstadt so etwas wie der Bundesliga-Hobbit.

Dafür spricht auch einiges. Die Tatsache, dass die Lilien schon in der Zweiten Liga als Absteiger galten. Dass sie mit Brégerie (zu Ingolstadt), Balogun (zu Mainz) und Behrens (zu Nürnberg) drei Eckpfeiler ihrer Verteidigung verloren haben – und die Defensive eigentlich Prunkstück war. Der kleinste Etat. Die Strukturen des Vereins mit ehrenamtlichen Helfern und Tribünen, auf denen Gras wächst. Der eher biedere Spielstil: Hinten dichtmachen, lange Bälle nach vorne und auf Standards hoffen.

Darmstadt ist Außenseiter. Und ja: Auch ich rechne mit dem Abstieg. Gleichzeitig glaube ich, dass die Lilien ein paar Trümpfe in der Hand haben, die eher unbemerkt bleiben. Die Taktik der Darmstädter mag langweilig sein, sie wird aber für Gegner schnell auch ärgerlich, gerade in einer Liga, in der viele Vereine auf Umschaltspiel setzen. Vor allem ist sie: Auf diesem Niveau eigentlich fast verschwunden. Es könnte interessant werden, wie die verschiedenen Trainer taktisch mit dieser Herausforderung umgehen. Außerdem gehört es zur DNA der Lilien, zu kämpfen bis zum Umfallen. Genau danach wurden auch die Zugänge ausgesucht. Trainer Dirk Schuster hat eine geradezu Ehrfurcht einflößende Bilanz, aus angeblich gescheiterten Spielern noch etwas herauszuholen. Das wird nicht immer funktionieren, aber wenn er bei Rausch, Niemeyer oder Caldirola nochmal frisches Feuer entfacht, könnten sich einige Gegner die Augen reiben.

Ich glaube fest daran, dass die Lilien die Liga bereichern werden. Und alle, die sie jetzt auf den 18. Platz setzen, sollten kurz daran denken, dass das auch in der Zweiten Liga die einhellige Prognose war. Man kann das als sehr starkes Argument sehen, dass dem SVD in der Bundesliga endgültig die Luft ausgehen wird.

Man kann es aber auch als Warnung dafür sehen, dass einseitige Prognosen sich besonders gerne als Fehler herausstellen. Und dafür, was Darmstadt 98 leisten kann, wenn sie nichts zu verlieren haben.

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