Wie man Payet (als Deutscher) ausspricht

Es gibt Leute, die wollen mitgezählt haben, dass Béla Réthy am Freitag den Namen Payet 46 Mal nannte. Wie oft auch immer es war, es war mir persönlich deutlich zu viel. Ich bin jedes Mal zusammengezuckt – und das lag an der Aussprache. Réthy erwähnte relativ zu Anfang einmal, dass er sich da offenbar genaustens erkundigt habe, und deswegen wisse, wie Payet ausgesprochen werde. Nämlich „Pajettt“. Man spreche das „T“ am Ende mit, weil Payet auf Réunion geboren sei, und da sei das so.

Nun sind wir Deutschen im Ausland ja bekannt für unsere harten Vokale. Wir haben so wunderschöne Worte wie Quartzkristall, Wachsmalfarbe und Abtrittserklärung. Französisch hingegen ist im Grunde das genaue Gegenteil: Eine weiche Sprache, bei der man haufenweise Konsonanten gar nicht spricht, obwohl sie in der Schriftsprache da sind („tu sais“ -> „sä“, „aller“ -> „allee“, „pendant“ -> „pondan“). Und jedes Mal, wenn Béla Réthy von Payet sprach, klang das für mich so, als schnarre er „Prrräsentiert das Bajonett!“

Natürlich gibt es streng genommen die „richtige“ Aussprache eines Nachnamens vermutlich gar nicht. Der deutsche Nachnamen Schneider klingt, je nach Region, mal eher wie Schneida, Schneidr oder Schnoido. Und da rede ich jetzt noch nicht mal von echten Dialekten, sondern eher von der Klangfärbung, die sich je nach Dialektregion in die Sprache schleicht. Tatsächlich sprechen auch die Franzosen den Namen Payet ziemlich unterschiedlich aus. Hier zum Beispiel einmal „Payäd“ und einmal „Payee“ und hier noch einmal eher „Payäh“.

Der Fehler, den Deutsche bei all dem machen, und den Béla Réthy ganz besonders exzessiv vorführte, ist zum einen das Y viel zu hart zu betonen, nämlich wie ein J. Im Französischen wird der Laut eher gehaucht, der Deutsche hingegen presst die Zunge fest an den Gaumen und sagt dann „JJJJAWOLL!“. Der zweite Fehler liegt in der Frage, was das denn nun genau heißt, ein T zu sprechen. Für Deutsche bedeutet das, abermals, klar und deutlich „T!“ zu schmettern. Mettbrötchen! Unwetter! Trittschalldämmung! Wer hingegen ein klein bisschen orignalgetreuer klingen will, der versuche besser eher ein D zu sprechen (für die Franken: ein weiches D). Franzosen, die anderen Franzosen erklären, dass man bei Payet tatsächlich, und entgegen dem instinktiven Impuls das T am Ende mitspreche, verwenden gerne ein Wort wie „paillettes“ (Pailletten, Plättchen) als Beispiel. Wie man dem Wort schon ansieht, kommen hinter dem T aber noch weitere, stumme Buchstaben („ttes“). Die spricht man zwar nicht, aber sie bewirken, dass das T am Ende mit einer Art fast unhörbar gehauchten „Ö“ ausklingt – das macht den Konsonanten weicher.

Mein Vorschlag in Lautschrift für Deutsche lautet also: Nicht „Pajettt“, sondern eher „Pa-ie-dd“. Und wer sich jetzt zum Abschluss noch die volle Dröhnung geben will, kann auf dieser wunderschönen Seite sich anhören, wie man rund um die Welt Dimitri Payet ausspricht.

Vielleicht ist das aber auch alles Kokolores, und man spricht Payet in Wirklichkeit Andröööösen aus.

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